Die 7 Erfolgsfaktoren im Venture Clienting

Was unterscheidet erfolgreiche Venture-Client-Programme von den weniger erfolgreichen? Basierend auf Deloitte und 27pilots: die 7 entscheidenden Faktoren.

Das Venture-Clienting-Modell verspricht beeindruckende Ergebnisse: Innovationszyklen von wenigen Wochen, minimales Risiko und ein hoher Return on Investment. Doch wie bei jeder strategischen Initiative hängt der Erfolg von der richtigen Umsetzung ab. Es reicht nicht aus, einfach nur ein paar Pilotprojekte mit Startups zu starten. Unternehmen, die das volle Potenzial des Venture Clienting ausschöpfen, folgen einem klaren Set von Erfolgsfaktoren.

Basierend auf den Erkenntnissen führender Beratungen wie Deloitte und den Pionieren des Modells wie 27pilots, haben wir die sieben entscheidenden Faktoren identifiziert, die erfolgreiche Venture-Client-Programme von den weniger erfolgreichen unterscheiden. Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden, um häufige Fehler zu vermeiden und Ihr Programm von Anfang an auf Erfolgskurs zu bringen.

1. Volle Unterstützung durch das Top-Management

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist kein prozessualer, sondern ein kultureller: Ohne das uneingeschränkte Bekenntnis der Geschäftsführung wird jedes Innovationsprogramm scheitern. Das Top-Management muss nicht nur das Budget freigeben, sondern auch aktiv als Sponsor und Wegbereiter agieren.

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • Klare strategische Einbettung: Venture Clienting wird als zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie kommuniziert, nicht als isoliertes Experiment.
  • Sichtbare Unterstützung: Die Geschäftsführung feiert Erfolge von Pilotprojekten öffentlich, nimmt an Pitch-Terminen teil und fordert aktiv den Fortschritt ein.
  • Ressourcen-Garantie: Es gibt ein klares Bekenntnis zu den notwendigen Budgets und personellen Ressourcen für die Durchführung und Skalierung von Pilotprojekten.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Das Programm in der mittleren Managementebene anzusiedeln, ohne sichtbare Rückendeckung von oben. Dies führt zu internen Widerständen und einem Mangel an strategischer Relevanz.

2. Eine dedizierte, befähigte Venture-Client-Einheit

Erfolgreiches Venture Clienting ist kein Nebenjob. Die "State of Venture Client Survey 2024" zeigt, dass Unternehmen mit einer dedizierten Venture-Client-Unit signifikant erfolgreicher sind. Nur sie erreichen eine hohe Anzahl von über 50 Pilotprojekten und mehr als 20 Startup-Adoptionen pro Jahr. [7]

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • Zentrales Team: Sie installieren ein kleines, aber schlagkräftiges Team (oft nur 2-5 Personen), das als zentrale Anlaufstelle für Fachbereiche und Startups dient.
  • Klare Mandate: Diese Einheit hat das klare Mandat und das Budget, Pilotprojekten schnell und unbürokratisch zu initiieren.
  • Prozess-Expertise: Das Team managt den gesamten Prozess von der Problemdefinition über das Scouting bis zur Erfolgskontrolle und entlastet so die Fachbereiche.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Die Aufgaben auf verschiedene Abteilungen (Einkauf, F&E, IT) zu verteilen, ohne eine zentrale Verantwortung zu definieren. Dies führt zu Kompetenzgerangel, langsamen Prozessen und Frustration auf allen Seiten.

3. Fokus auf operative Probleme, nicht auf Technologie-Hypes

Der Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Pilotprojekt ist immer ein dringendes, operatives Problem eines Fachbereichs, nicht eine faszinierende neue Technologie.

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • "Problem-Pull" statt "Technology-Push": Sie suchen nicht nach Anwendungsfällen für Blockchain, sondern nach einer Lösung, um die Lieferketten-Transparenz zu erhöhen. Die Technologie ist das Mittel, nicht der Zweck.
  • Quantifizierbarer Business Case: Jede "Challenge" ist mit einem klaren Business Case verbunden. Was kostet uns das Problem heute? Welchen Mehrwert (Kostensenkung, Umsatzsteigerung) verspricht die Lösung?
  • Verantwortung im Fachbereich: Der "Problem-Owner" kommt immer aus dem operativen Geschäft. Er hat das größte Interesse an einer schnellen Lösung und wird zum internen Champion für das Startup.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Eine reine "Innovations-Show" zu veranstalten, bei der spannende Technologien ohne konkreten Anwendungsfall präsentiert werden. Solche Projekte verlaufen meist im Sand, da ihnen der interne Sponsor und der operative Nutzen fehlen.

4. Standardisierte, schnelle Prozesse

Die Geschwindigkeit des Venture-Clienting-Modells (8-12 Wochen von Problem bis Pilot) ist nur durch radikal standardisierte und beschleunigte Prozesse möglich.

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • Fast-Track-Beschaffung: Es gibt einen eigenen, schlanken Beschaffungsprozess für Startup-Piloten, der den regulären, oft langwierigen Einkaufsprozess umgeht.
  • Standardisierte Verträge: Anstelle von monatelangen Verhandlungen werden einfache, standardisierte Pilot- und Lieferantenverträge verwendet.
  • Agiles Projektmanagement: Pilotprojekte werden mit agilen Methoden (z.B. wöchentliche Sprints) gesteuert, um maximale Transparenz und schnelles Feedback zu gewährleisten.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Startups wie etablierte Großlieferanten zu behandeln und sie durch die gleichen, langwierigen Compliance-, IT-Security- und Einkaufsprozesse zu zwingen. Dies zerstört den Geschwindigkeitsvorteil und frustriert die Startups.

5. Klare KPIs und Erfolgsmessung

Ein Pilotprojekt ohne klare Erfolgsmetriken ist ein Experiment ohne Lernerfolg. Der ROI muss von Anfang an im Fokus stehen.

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • Definition vor dem Start: Die Key Performance Indicators (KPIs) für den Piloten werden vor dem Projektstart gemeinsam mit dem Fachbereich und dem Startup definiert.
  • Fokus auf Business-Metriken: Neben technischen KPIs (z.B. Uptime) stehen immer auch Business-KPIs im Vordergrund (z.B. eingesparte Arbeitsstunden, reduzierte Fehlerquote, generierte Leads).
  • Transparente Messung: Die KPIs werden während des Piloten kontinuierlich und transparent gemessen und in einem Abschlussbericht dokumentiert.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Ein Pilotprojekt mit vagen Zielen wie "Wir wollen die Technologie testen" zu starten. Ohne harte, messbare Ziele ist eine objektive Bewertung des Erfolgs unmöglich.

6. Eine Kultur des "Testens und Lernens"

Venture Clienting bedeutet, viele kleine Wetten einzugehen. Nicht jedes Pilotprojekt wird ein Erfolg sein – und das ist auch nicht das Ziel. Das Ziel ist es, so schnell und kostengünstig wie möglich zu lernen, welche Lösungen funktionieren und welche nicht.

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • Fehler als Lernchance: Ein gescheiterter Pilot wird nicht als Misserfolg, sondern als wertvolle, kostengünstig gewonnene Erkenntnis betrachtet ("Wir wissen jetzt, dass dieser Ansatz für uns nicht funktioniert").
  • Psychologische Sicherheit: Mitarbeiter und Fachbereiche werden ermutigt, neue Dinge auszuprobieren, ohne Angst vor negativen Konsequenzen bei einem Scheitern haben zu müssen.
  • Wissensmanagement: Die Erkenntnisse aus allen Pilotprojekten (sowohl erfolgreichen als auch gescheiterten) werden systematisch dokumentiert und dem gesamten Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Nur auf "sichere Wetten" zu setzen und Pilotprojekte abzulehnen, deren Ausgang unsicher ist. Dies erstickt die Innovationskultur und verhindert bahnbrechende Entdeckungen.

7. Ein klarer Pfad zur Skalierung

Der größte Wert des Venture Clienting entsteht nicht durch das Pilotprojekt selbst, sondern durch die erfolgreiche, unternehmensweite Skalierung der getesteten Lösung. Dieser Pfad muss von Anfang an mitgedacht werden.

Was Top-Unternehmen richtig machen:

  • Frühzeitige Einbindung von Stakeholdern: IT, Einkauf, Recht und Betriebsrat werden frühzeitig über das Pilotprojekt informiert (aber nicht in den schnellen Prozess eingebunden), um eine spätere Skalierung vorzubereiten.
  • Budget für den Roll-out: Es gibt einen klaren Prozess, wie nach einem erfolgreichen Piloten die notwendigen Budgets für den unternehmensweiten Roll-out beantragt und freigegeben werden können.
  • Das Startup als strategischer Partner: Erfolgreiche Startup-Partner werden langfristig in die Lieferantenstrategie integriert und als strategische Partner behandelt.

Fehler, die Sie vermeiden sollten: Das Pilotprojekt als isoliertes Projekt zu betrachten und keine Pläne für die Zeit danach zu machen. Dies führt zum gefürchteten "Pilot-Purgatory", in dem vielversprechende Lösungen nach einem erfolgreichen Test versanden.

Fazit: Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Systems

Erfolgreiches Venture Clienting ist kein Hexenwerk. Es ist das Ergebnis eines durchdachten, systematischen Ansatzes, der auf klaren Prinzipien und Prozessen beruht. Unternehmen, die diese sieben Erfolgsfaktoren berücksichtigen, können die Innovationskraft von Startups effektiv für sich nutzen und sich einen entscheidenden, nachhaltigen Wettbewerbsvorteil sichern.

Weiterlesen: Wie ein Pilotprojekt Schritt für Schritt gelingt, zeigt der Pilotprojekt-Leitfaden. Warum Kunde statt Investor die richtige Rolle ist, lesen Sie im Artikel Venture Clienting statt Investor. Branchenspezifische Best Practices finden Sie für Industrie, Mittelstand und Stadtwerke.

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Quellenverzeichnis

[1] BCG (2025): Most Innovative Companies 2025: In Disruptive Times, the Resilient Win

[2] PwC (2013): Breakthrough innovation and growth

[3] KfW Research (2021): Innovationen steigern Wachstum und Produktivität

[4] Market Logic / Forrester (2025): Understanding innovation ROI

[5] Bayern Innovativ (2025): Von Pilotprojekten zu Profit

[6] BDEW (2021): Digital@Utility 2021

[7] 27pilots (2024): State of Venture Client Survey 2024

[8] Deloitte / 27pilots (2022): Venture Client Solutions